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Active Directory

Active Directory (AD) ist ein Verzeichnisdienst, der in einer Windows-Umgebung eine zentrale Identitäts- und Zugriffsverwaltung bereitstellt. Statt jeden Rechner einzeln zu konfigurieren, werden Benutzer, Computer und Ressourcen zentral verwaltet. Ein Domänencontroller (DC) ist ein Windows Server, der die Active Directory-Domänendienste (AD DS) hostet.

Ein Domänencontroller benötigt einen eindeutigen Namen (z.B. dc1), eine statische IP-Adresse und einen funktionierenden DNS-Server; die Rolle „Active Directory-Domänendienste" wird installiert und der Server anschließend hochgestuft.

Logische Struktur

Active Directory trennt die logische Struktur von der physischen (Standorte, Subnetze, DCs). Die logischen Bausteine sind:

  • Objekt – Die kleinste verwaltbare Einheit; jede Netzwerkressource (Benutzer, Computer, Drucker …) wird durch ein Objekt repräsentiert.
  • Organisationseinheit (OU) – Ein Container, der Objekte (Benutzer, Computer, Gruppen) gruppiert, um die Unternehmensstruktur abzubilden. OUs dienen außerdem zur Verknüpfung von Gruppenrichtlinien.
  • Domäne – Die zentrale Einheit, welche die Active Directory enthält. Sicherheitsrichtlinien gelten innerhalb einer Domäne, die mindestens einen DC besitzen muss.
  • Struktur (Tree) – Mehrere hierarchisch angeordnete Domänen mit zusammenhängendem Namespace (z.B. de.abc.com unter abc.com).
  • Gesamtstruktur (Forest) – Eine oder mehrere Strukturen, typischerweise mit verschiedenen Namespaces. Die Domänen arbeiten unabhängig, können aber über die Gesamtstruktur kommunizieren.

Globaler Katalog

Der globale Katalog ist eine Datenbank, mit der sich Objekte in der gesamten Gesamtstruktur suchen lassen, auch Objekte in anderen Namespaces. An jedem AD-Standort sollte mindestens ein DC eine Kopie des globalen Katalogs beherbergen.

Vertrauensstellungen

Eine Vertrauensstellung beschreibt die Beziehung zwischen zwei Domänen: Die vertrauende Domäne akzeptiert die Authentifizierung aus der vertrauten Domäne.

  • Unidirektional – Vertrauen in eine Richtung / Bidirektional – Vertrauen in beide Richtungen
  • Transitiv – Vertrauen reicht über weitere Vertrauensstellungen / Nicht transitiv – nur für die explizit konfigurierte Vertrauensstellung

Standard ist bidirektional und transitiv.

LDAP und Benennung

LDAP (Lightweight Directory Access Protocol) dient dem Zugriff auf den Verzeichnisdienst.

  • Distinguished Name (DN) – Der eindeutige „LDAP-Pfad" eines Objekts, mit CN (Common Name), OU (Organizational Unit) und DC (Domain Component), z.B. CN=HPjet5, OU=Assistenz, DC=Firma, DC=DE.
  • Canonical Name – Dieselbe Information im DNS-Domänennamenformat, z.B. HPjet5.Assistenz.firma.de.

Roaming-Profile

Ein Roaming-Profil wird zentral auf einem Server gespeichert, sodass ein Benutzer an jedem Domänenrechner dieselbe Umgebung vorfindet. Das Profil wird bei der Anmeldung auf den Rechner kopiert und bei der Abmeldung zurücksynchronisiert.

  • Vorteil – Gleiche Umgebung an jedem Computer.
  • Nachteil – Benötigt viel Speicher; An- und Abmeldung können langsam sein.

Die Freigaben SYSVOL und NETLOGON werden bei der Hochstufung eines Servers zum DC erstellt. Sie speichern Gruppenrichtlinien und Anmeldeskripte, die von den Clients abgerufen werden.

Funktionsebenen

Bei der Hochstufung eines DC werden eine Gesamtstrukturfunktionsebene und eine Domänenfunktionsebene gewählt. Sie legen fest, welche AD-Funktionen verfügbar sind, und garantieren, dass DCs mit unterschiedlichen Windows-Server-Versionen zusammenarbeiten (Abwärtskompatibilität). Höhere Ebenen bieten mehr Funktionen, lassen sich aber nicht rückgängig machen. Eine Domäne kann auf einer höheren Ebene als die Gesamtstruktur arbeiten, jedoch nicht auf einer niedrigeren.

Gruppenrichtlinien (GPO)

Gruppenrichtlinien sind Konfigurationsanweisungen, mit denen Einstellungen erzwungen werden (z.B. Passwortrichtlinien, Energieeinstellungen, Zugriffsbeschränkungen). Sie werden in Active Directory gespeichert und sind durch Replikation domänenweit verfügbar. Ein Gruppenrichtlinienobjekt (GPO) speichert die einzelnen Einstellungen und ist mit dem Objekt verknüpft, auf das es sich auswirken soll. GPOs enthalten getrennte Einstellungen für Benutzer und Computer und wirken auf die in einer OU enthaltenen Benutzer- und Computerkonten, nicht auf Gruppen.

Verarbeitungsreihenfolge

Gruppenrichtlinien können mit einem Standort, einer Domäne oder einer OU verknüpft werden; jeder Computer besitzt zusätzlich eine lokale Richtlinie. Die Verarbeitungsreihenfolge ist L-S-D-OU:

  1. Local (Lokal)
  2. Site (Standort)
  3. Domain (Domäne)
  4. OU

Jeder spätere Schritt überschreibt bei konkurrierenden Einstellungen die des früheren. Somit hat die lokale Richtlinie die niedrigste und die OU-Richtlinie die höchste Priorität. Sind mehrere GPOs auf derselben Ebene verknüpft, entscheidet die Verknüpfungsreihenfolge (der niedrigste Verknüpfungswert gewinnt, da er zuletzt verarbeitet wird).

Aktualisierung

Gruppenrichtlinieneinstellungen werden im Hintergrund etwa alle 90 Minuten auf Clients und alle 5 Minuten auf Domänencontrollern aktualisiert. Eine Aktualisierung lässt sich mit gpupdate /force erzwingen. Eine Ausnahme ist die Ordnerumleitung: Sie wird nur bei der Benutzeranmeldung angewendet.