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Scrum

Überblick​

Scrum ist ein agiles Framework zur Entwicklung komplexer Produkte. Es wird besonders häufig in der Softwareentwicklung eingesetzt und basiert auf kurzen Iterationen, den sogenannten Sprints, klaren Rollen und regelmäßiger Reflexion.


Die 3 Rollen​

Ein Scrum-Team besteht aus einem Product Owner, einem Scrum Master und den Developers. Es hat in der Regel höchstens 10 Mitglieder und keine Teilteams oder Hierarchien. Diese Rollen werden auch als Verantwortlichkeiten (Accountabilities) bezeichnet.

Product Owner (PO)​

Der Product Owner ist die einzige für das Produkt verantwortliche Person. Der Product Owner vertritt die Interessen der Stakeholder.

Aufgaben:

  • Pflegt und priorisiert das Product Backlog
  • Definiert Anforderungen (User Storys)
  • Entscheidet, was gebaut wird
  • Prüft Ergebnisse

Scrum Master​

Der Scrum Master ist für den Prozess selbst verantwortlich. Der Scrum Master ist keine klassische Führungskraft, sondern ein Servant Leader.

Aufgaben:

  • Stellt sicher, dass Scrum korrekt angewendet wird
  • Beseitigt Hindernisse (Impediments)
  • Coacht das Team
  • Moderiert Meetings

Developers​

Die Developers sind die Personen im Scrum-Team, die die Anforderungen umsetzen. Das Scrum-Team ist selbstmanagend: Es entscheidet intern, wer was wann und wie erledigt, ohne Vorgaben von außen.

  • Interdisziplinär
  • Erstellen das Sprint Backlog
  • Erstellen pro Sprint mindestens ein nutzbares Inkrement

Die 5 Events​

Sprint​

Ein Sprint ist ein fester Zeitraum, in dem das Team an einer Reihe von Aufgaben arbeitet. Er ist der Herzschlag von Scrum und gibt einen regelmäßigen Rhythmus für Planung, Umsetzung und Überprüfung der Arbeit vor.

  • Dauer: höchstens 1 Monat (üblich sind 2-4 Wochen)
  • Ziel: Fertiges, nutzbares Inkrement

Wichtig: Während eines Sprints sollten keine Änderungen vorgenommen werden, die das Sprint-Ziel gefährden.

Sprint Planning​

Zu Beginn jedes Sprints trifft sich das gesamte Scrum-Team, um festzulegen, welche Arbeit übernommen wird. Das Team wählt Einträge aus dem Product Backlog aus und erstellt einen Plan, wie diese geliefert werden.

Ergebnis:

  • Sprint-Ziel
  • Sprint Backlog

Daily Scrum / Daily Standup​

Das Daily Scrum ist ein kurzes Synchronisationsmeeting, in dem sich die Developers über den Fortschritt abstimmen und Blocker identifizieren. Es wird auch „Standup“ genannt, weil die Teilnehmenden oft stehen, um das Meeting kurz zu halten und die Timebox von 15 Minuten einzuhalten.

  • Dauer: 15 Minuten
  • Teilnehmende: die Developers

Eine feste Struktur ist nicht vorgeschrieben. Verbreitet sind drei Fragen:

  • Was habe ich gestern gemacht?
  • Was mache ich heute?
  • Gibt es Hindernisse?

Sprint Review​

Am Ende jedes Sprints präsentiert das Team das fertige Inkrement den Stakeholdern. Ziel ist es, Feedback einzuholen und gemeinsam über die nächsten Schritte für das Produkt zu entscheiden.

  • Präsentation der Ergebnisse
  • Feedback der Stakeholder
  • Anpassung des Product Backlogs

Sprint Retrospective (Retro)​

Die Retrospektive ist ein internes Meeting, in dem das Scrum-Team den vergangenen Sprint reflektiert. Ziel ist es, konkrete Verbesserungen für den nächsten Sprint zu identifizieren, womit sie das zentrale Event für kontinuierliche Verbesserung ist.

Typische Fragen:

  • Was lief gut?
  • Was lief schlecht?
  • Was können wir verbessern?

Die 3 Artefakte​

Jedes Artefakt hat ein Commitment, an dem sein Fortschritt gemessen wird: das Product Backlog das Produkt-Ziel, das Sprint Backlog das Sprint-Ziel und das Inkrement die Definition of Done.

Product Backlog​

Das Product Backlog ist die einzige verbindliche Quelle für alle Arbeiten, die am Produkt anfallen. Es ist ein lebendes Dokument, das sich mit dem Produkt und seinem Umfeld weiterentwickelt.

  • Eine priorisierte Liste aller Anforderungen
  • Wird vom Product Owner gepflegt
  • Einträge meist in Form von User Storys (z.B. „Als Nutzer möchte ich X, damit Y“)

Sprint Backlog​

Das Sprint Backlog enthält die für den aktuellen Sprint ausgewählte Teilmenge des Product Backlogs, das Sprint-Ziel und einen Plan, wie die ausgewählten Einträge geliefert werden.

  • Enthält die Aufgaben für den aktuellen Sprint
  • Wird von den Developers erstellt
  • Konkret und umsetzbar

Inkrement​

Ein Inkrement ist ein konkreter Schritt in Richtung Produkt-Ziel und baut auf allen vorherigen Inkrementen auf. Innerhalb eines Sprints können mehrere Inkremente entstehen, deren Summe im Sprint Review präsentiert wird. Jedes Inkrement muss sich in einem nutzbaren Zustand befinden, unabhängig davon, ob der Product Owner sich für eine Veröffentlichung entscheidet.


Wichtige Begriffe​

Definition of Done (DoD)​

Die Definition of Done ist eine gemeinsame Vereinbarung im Team, die klare Kriterien dafür festlegt, wann ein Backlog-Eintrag als „fertig“ gilt. Sie sichert eine gleichbleibende Qualität und verhindert, dass unfertige Arbeit ausgeliefert wird.

Beispiel:

  • Code geschrieben
  • Tests grün
  • Review durchgeführt
  • Dokumentation aktualisiert

Produkt-Ziel​

Das Produkt-Ziel beschreibt einen zukünftigen Zustand des Produkts und dient dem Scrum-Team als langfristiges Ziel. Das Scrum-Team verfolgt immer genau ein Produkt-Ziel. Es muss erfüllt oder verworfen werden, bevor das nächste angegangen wird.

Sprint-Ziel​

Das Sprint-Ziel ist ein übergeordnetes Ziel, das dem Team eine gemeinsame Richtung für den Sprint gibt. Es sollte ein sinnvolles Ergebnis beschreiben und keine Liste von Aufgaben.

Nicht „5 Tickets abschließen“, sondern z.B.:

  • „Nutzer können sich registrieren und anmelden“
  • „Nutzer können über einen eigenen Button Feedback geben“

Velocity​

Die Velocity misst die durchschnittliche Anzahl an Story Points, die ein Team pro Sprint abschließt. Sie dient als Planungswerkzeug, um abzuschätzen, wie viel Arbeit in künftigen Sprints realistisch übernommen werden kann. Sie ist kein Werkzeug für Leistungsrankings.

Story Points​

Story Points sind eine relative Schätzeinheit, die den Gesamtaufwand für die Umsetzung eines Backlog-Eintrags ausdrückt. Statt in Stunden zu schätzen, vergleichen Teams die Einträge untereinander.

  • Oft Fibonacci (1, 2, 3, 5, 8, 13, ...)
  • Berücksichtigt Komplexität, Risiko und Aufwand

Typischer Sprint-Ablauf​

  1. Sprint Planning
  2. Entwicklung + Daily Standups
  3. Sprint Review
  4. Sprint Retro
  5. Neuer Sprint

Vor- und Nachteile von Scrum​

Vorteile​

  • Schnelle Lieferung von Mehrwert
  • Hohe Flexibilität
  • Frühes Feedback durch Stakeholder
  • Transparenz
  • Kontinuierliche Verbesserung

Nachteile​

In der Praxis wird Scrum oft falsch umgesetzt. Das führt zu typischen Anti-Patterns:

  • Falsch verstandene Rolle des Product Owners
  • Scrum Master als „Mini-Chef“
  • Daily als langes Statusmeeting für Manager
  • Kein echtes Selbstmanagement
  • „Wir machen Scrum, aber...“

Unterschied zum klassischen Projektmanagement (z.B. Wasserfallmodell)​

WasserfallScrum
Feste Planung zu BeginnIteratives Vorgehen
Änderungen sind teuerÄnderungen sind eingeplant
Eine einzige AuslieferungRegelmäßige Updates durch Inkremente
Starke HierarchieSelbstmanagend